Survivor Vox – endlich der Durchbruch?
On 4. Dezember 2018 | 0 Comments | charity Tengah, survivor vox, TV | Schlagwörter: , , , , , , ,

Was ist es denn nun? Dieses „Survivor“ auf Vox?

Von vielen sehnsüchtig erwartet – von mindestens ebenso vielen als kaum beachtete Kopie diverser Castingshows abgelehnt. Die härteste Abenteuershow der Welt? Dieses „Survivor“ auf Vox? Oder war das nicht schon mal auf Pro7?

 

„Nachher sind sie alle klüger“. Ich schreibe es vorher. Als meinen Beitrag zu einer hoffentlich gelungenen Sendung bei VOX, die „Survivor“ 2019 vielleicht endlich auch in Deutschland zum Erfolg macht.

Meine Meinung zum „neuen“ TV-Format VOX Survivor:

Die Glaubwürdigkeit von Survivor

Eigentlich eine „Überlebensshow“ im klassischen Sinne. Alles ist echt. Hunger ist Hunger, die Emotion ist pur, Schmerz bleibt Schmerz. Real, wirklich, echt. Doch in Deutschland sind in einer von Endemol verbrannten „Realityszene“ diese Sendungen eher im Genre „Comedy“ angesiedelt. Siehe Dschungelcamp, wo jeder weiß, oder zumindest wissen sollte, dass die Kandidaten dort nun wirklich nichts mit Dschungel, Gefahr oder wirklichen Emotionen zu tun haben. Ein Quotengarant, aber eher um sich an der Blödheit der Kommentare oder den ekligen Prüfungen zu ergötzen. Schadenfreude pur. Eben Komödie.

Doch „Survivor“ ist anders. Im Ernst. Kein Spaß. Nur real. Und das braucht Mut. Die Macher der deutschen Ausgabe von „Survivor“ sollten diesen Mut aufbringen. Und zuerst mal den Kandidaten Glaubwürdigkeit geben. Lasst den Zuschauer teilhaben an ihrem Leben, lasst sie den Hunger nachempfinden, dem sie ohne Zweifel ausgesetzt sein werden bei einer Ration von 100g Reis täglich. Ich weiß wovon ich spreche. Ich habe es schließlich am eigenen Leib erfahren. Bei den Amis vermittelt diese Glaubwürdigeit meiner Meinung nach ihr „Survivor“-Moderator Jeff Probst. Nah am Spiel, nah an den Kandidaten, mitfühlend, erklärend und nicht zuletzt kompetent. Bewährt hat sich in Deutschland das Konzept der Co-Moderation. Wieso nicht bei „Survivor“?

Survivor-Kandidaten

Blog Vox Bild Survivor Volker von Pro7Schon Holger Speckhahn, Moderator vom „Inselduell“ – dem Vorläufer des deutschen „Survivors“ – hat im Interview (hier zum ganzen Interview) über den Unterschied der deutschen und amerikanischen Kandidaten gesprochen. Nach seiner Meinung sind das US- und deutsche Format zwei Paar Schuhe. Während bei uns „Normalos“ ohne Survivalhintergrund gecastet wurden, sind es in den USA eher Cracks „die noch jubeln, wenn sie in der Wildnis eine Schlange finden“ und dann sofort um die Trophäe kämpfen. Bei solchem Kaliber setzt man einen „Survivalmind“ mit Bild survivor lager auf der Inselentsprechenden Fähigkeiten voraus und kann gleich ins Spiel. Intrigen, Taktik, Strategie – worum es beim Spiel „Survivor“ neben extremen körperlichen und psychischen Belastungen eben geht.

Mit unseren Kandidaten in Deutschland ist das anders. Das kann ich aus eigener Inselerfahrung in der ersten Staffel „Survivor bei Pro7“ bestätigen. Mein besonderes Merkmal damals war, kein besonderes Merkmal zu haben. Und meine Mitstreiter waren allesamt ganz coole, nette Menschen, die ich in jeder Kneipe um die Ecke, auf dem Sportplatz oder in der Konzerthalle hätte treffen können. Das ist gut so und bringt Authentizität.
Doch wir mussten uns erst an diese ungewohnte, extreme Umgebung gewöhnen. Das hat am Anfang nicht allzu viel mit Survival zu tun. Eher mit Orientierung in der Wildnis und unter den Mitstreitern. Ich erinnere mich noch an die Hater-Kommentare zum Thema „Feuermachen“. Das funktioniert nun mal erst etwas später – wenn man weiß, wie alles funktioniert. In das Spiel haben wir uns erst spät eingefunden. Dem wurde in der Sendung zu wenig Beachtung geschenkt. „Survivor VOX“ sollte den Kandidaten und ihrem Leben in der Wildnis den Raum schenken, der dieses Format bei uns interessant macht.

Survivor 2019: Das Format

In der ersten „Survivor“-Staffel hat der einseitige Fokus auf Spiele und Inselrat eine Identifikation mit den Kandidaten als Menschen nicht möglich gemacht. Das erschwerte es den Zuschauern zu entscheiden, wen sie mögen oder blöd finden, mit wem sie hoffen und bangen oder das Pech an den Hals wünschen. Dieser Schwerpunkt Spiel und Inselrat nahm immerhin über 60% der Sendezeit ein.

Wie soll ich denn bei einer Sendung in der vierten Folge dabeibleiben, wenn ich bis dahin immer noch nicht weiß, wie die verdammten Typen heißen? Mit einer kleinen Einblendung ab und zu eines Namens mit unterschiedlichen Untertiteln ist es nicht getan. Der eine war Arzt. In der nächsten Einblendung Mentalcoach. Ich war „Volker, 50“ und „Volker, Werbemittelproduktioner“ jeweils für fünf Sekunden. Leute! Das muss vorher erledigt sein. Sozusagen „nach der ersten Sendung gegessen“.

 

Das Preisgeld der Reality-Show Survivor bei VOX

Bei Pro7 gab es in der ersten Staffel 250.000 Euro zu gewinnen. Nur für den „Survivor“. Nichts für die anderen. Das gehört zum Spiel. Aber spätestens seit der 100.000 Mark-Show bei RTL aus dem Jahre 1993 hat sich in unserer Fernsehlandschaft ein sechsstelliger Gewinn etabliert. Viel, aber schon lange nicht mehr spektakulär. Nicht zuletzt erfreut sich Günther Jauch mit maximalem Gewinn von einer Million Euro als Quotenburner. Für den amerikanischen Gewinner gibt es schließlich auch satte eine Million Dollar.

Das ist spektakulär und für mich ist da jeder Cent verdient. Gewinnen wollte ich das Geld nie. Mich reizte immer nur die Herausforderung. Aber für den Zuschauer bleibt die Frage: Wenn ich mit der Beantwortung von 15 Fragen den vierfachen Betrag gewinnen kann, wo ist da das Besondere an diesem „Survivor“? Wo bleibt für die Kandidaten die Relation für 39 Tage Survival? Und gar bei 50 Tagen wie bei Pro7? Was lobt „Survivor VOX“ aus? Meine Meinung: Großes Spektakel, großer Gewinn.

 

Survivor 2019: Mein ungebetener Ratschlag ans VOX-Team

Also:

  • Installiert einen Co-Moderator, es sei denn ihr findet einen zweiten Jeff Probst. Jemand mit „Survivor“-Kompetenz an der Seite eines witzigen und smarten Moderators ist die halbe Miete. Jemand, der kompetent aus Erfahrung kommentiert, wird ein zusätzlicher Glaubwürdigkeitsfaktor sein.

  • Stellt die Kandidaten vernünftig vor. Wie es sich gehört. Zuerst eine Präsentation der Kandidaten – von mir aus in einer Sondersendung. Mit Interview und entsprechender Biografie. „Das Spiel ist alles. Die Kandidaten sind nichts“ wird wieder nicht funktionieren.

  • Gebt dem Inselleben neben dem Spiel mehr Platz. Straffere Spiele, kurzer Inselrat. Mehr Sammler und Jäger, mehr Sentimentalität, mehr Gefahr, mehr Romantik, mehr echtes Leben auf einer einsamen Insel.

  • Ändert die Sendefrequenz und die Sendezeit. Nach meiner Meinung längere Folgen und mindestens zweimal die Woche. Das hält den Spannungsbogen. „Survivor Greece“ lief im Sommer jeden Tag.

  • „So wird das gemacht“ funktioniert nicht. Es sind in jeder Survivor-Staffel andere Menschen mit anderen Fähigkeiten, anderer Frustrationstoleranz, anderen Gefühlen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

  • „Durchhalten – Überlisten – Besiegen!“ Das Motto bei Survivor VOX
    „Überwinde! Überliste! Überlebe!“ Das Motto bei Survivor Pro7
    Kopiert nicht irgendwas! Bereitet es vernünftig vor! Macht Reality!

  • Lobt einen fantastischen Gewinn aus, welcher der Leistung und auch dem „Spektakel Survivor“ gerecht wird. Es muss nicht gleich ein irrer Geldbetrag sein, aber der Gewinn muss das Leben verändern. Und zwar spektakulär.

 

Ich bin mal gespannt. Vielleicht fragt uns ja doch mal einer vorher, wie man das machen könnte. Es gibt noch eine Menge zu tun, bis „Survivor“ bei uns angekommen ist.

Die VOX-Survivor-Macher sind Profis. Sie machen Fernsehen. Den ganzen Tag. Ich hoffe, sie machen „Survivor“ auch in Deutschland zu einer erfolgreichen Sendung. Denn nicht nur, wenn man dabei war, ist es spannend, unterhaltsam und außergewöhnlich.

Was meint ihr? Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden zur Überlebensshow „Survivor“ bei VOX.

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